BCP: 5,0 % Wachstum und 3,0 % Inflation für 2026
Der BCP erwartet für 2026 nun 5,0 % Wachstum und 3,0 % Inflation. Export und Strom tragen stärker; die Prognose für Anlageinvestitionen sinkt.
Was hat der BCP geändert?
Der Banco Central del Paraguay (BCP) hat seine Prognose für das reale Wirtschaftswachstum 2026 von 4,5 auf 5,0 % angehoben. Gleichzeitig senkte die Zentralbank ihre Erwartung für die Inflation am Jahresende von 3,3 auf 3,0 %. Grundlage ist der im Oktober veröffentlichte geldpolitische Bericht für September 2026.
Die 5,0 % sind eine Prognose für das Gesamtjahr, kein bereits gemessener Jahreswert. Zuletzt war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,0 % gewachsen. Der BCP geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Dynamik im dritten Quartal fortgesetzt hat.
Für Unternehmer und Investoren ist vor allem die Zusammensetzung der Revision wichtig. Die höhere Gesamtprognose wird nicht durch alle Bereiche gleichermaßen getragen. Stärkere Exporte, Stromerzeugung, Handel und öffentlicher Konsum stehen einer schwächeren Prognose für Anlageinvestitionen und Viehwirtschaft gegenüber.
Welche Branchen tragen das stärkere Wachstum?
Den größten zusätzlichen Impuls erwartet der BCP bei Elektrizität und Wasser. Die Wachstumsprognose für diesen Bereich wurde von 7,4 auf 12,8 % angehoben. Als Grund nennt die Zentralbank eine höhere Stromerzeugung der binationalen Kraftwerke und eine stärkere Verteilung elektrischer Energie.
Für den gesamten Dienstleistungssektor steigt die Prognose von 4,6 auf 5,0 %. Innerhalb dieses Bereichs wird der Handel nun mit 5,1 statt 3,5 % Wachstum veranschlagt. Die staatlichen Dienstleistungen wurden von 2,6 auf 4,1 % heraufgesetzt.
Die Erwartungen für das verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft bleiben dagegen unverändert bei 3,9 beziehungsweise 3,5 %. Das ist ein positives Wachstumssignal, aber keine zusätzliche Beschleunigung gegenüber der vorigen BCP-Prognose.
Auch ohne Landwirtschaft und binational erzeugten Strom erwartet der BCP ein Wachstum von 4,7 %. Der Aufschwung ist damit breiter als ein reiner Agrar- oder Energieeffekt, auch wenn Strom und Exportentwicklung die jüngste Aufwärtskorrektur wesentlich erklären.
Wo fällt der Ausblick schwächer aus?
Für den Primärsektor senkte der BCP seine Wachstumsprognose von 3,8 auf 2,9 %. Ausschlaggebend ist die Viehwirtschaft: Hier rechnet die Zentralbank 2026 mit einem Rückgang von 4,5 %, unter anderem wegen geringerer Rinderschlachtungen bei gleichzeitigem Wiederaufbau der Herden. Die Landwirtschaft soll weiterhin um 4,7 % wachsen, gestützt durch die hohe Sojaproduktion.
Besonders relevant für die Einordnung des Investitionsklimas ist die Nachfrageseite. Die Prognose für die Bruttoanlageinvestitionen wurde von 2,2 auf nur noch 1,3 % Wachstum gesenkt. Für die breiter gefasste Bruttokapitalbildung erwartet der BCP 2,2 statt zuvor 3,0 %.
Das bedeutet nicht, dass Investitionen schrumpfen. Sie sollen nach der aktuellen Prognose weiter wachsen, aber deutlich langsamer als 2025, als die Bruttoanlageinvestitionen nach vorläufigen Angaben um 12,2 % zunahmen. Der BCP verweist ausdrücklich auf diesen hohen Vergleichswert. Einzelne große Industrie-, Energie- oder Immobilienprojekte können daher vorankommen, ohne dass die gesamtwirtschaftliche Investitionsrate im gleichen Tempo wächst.
Export und Konsum gewinnen an Gewicht
Die Prognose für die Exporte von Waren und Dienstleistungen wurde von 3,5 auf 5,0 % angehoben. Der BCP begründet dies mit besseren Aussichten für Strom- und Chemieexporte sowie einem höheren erwarteten Reexportvolumen. Für die Importe bleibt die Prognose bei 1,4 %.
Der gesamte Konsum soll um 4,2 % wachsen, nach zuvor erwarteten 3,9 %. Diese Korrektur kommt allerdings vom Staat: Die Prognose für den öffentlichen Konsum steigt von 1,5 auf 4,5 %, während der private Konsum leicht von 4,3 auf 4,1 % zurückgenommen wurde.
Damit beruht die bessere Gesamtzahl nicht ausschließlich auf einer stärkeren privaten Nachfrage. Für die Bewertung einzelner Geschäftsmodelle bleiben Branche, Kundenstruktur und Region wichtiger als die nationale Wachstumsrate allein.
Was bedeutet die niedrigere Inflationsprognose?
Der BCP erwartet für Dezember 2026 nun eine Inflationsrate von 3,0 %. Das liegt unter der mittelfristigen Zielrate von 3,5 %. Ausschlaggebend sind moderatere Preise für nichtenergetische Waren; höhere Kraftstoffkosten wirken teilweise in die Gegenrichtung.
Eine niedrigere Inflationsprognose bedeutet nicht automatisch sofort sinkende Kreditzinsen. Der geldpolitische Ausschuss beließ den Leitzins im dritten Quartal bei 5,50 % und bezeichnete diese Position als neutral. Finanzierungsbedingungen hängen zusätzlich von Bankmargen, Laufzeit, Sicherheiten, Währung und dem Risikoprofil des Kreditnehmers ab.
Für Unternehmen kann die Kombination aus solidem Wachstum und niedriger Inflation die Planung erleichtern. Wechselkurs-, Energie- und Finanzierungskosten bleiben dennoch eigenständige Risiken. Gerade exportorientierte Betriebe beobachten derzeit den starken Guaraní, dessen Wirkung nicht aus der Wachstumsprognose allein abgeleitet werden kann.
Einordnung für deutschsprachige Investoren und Unternehmer
Die neue BCP-Prognose bestätigt ein kräftiges wirtschaftliches Umfeld. Sie liefert aber keinen Beleg dafür, dass jedes Investitionsprojekt rentabel ist oder alle Branchen gleichermaßen profitieren. Besonders günstig ist der Ausblick für Strom, Handel und bestimmte Exportaktivitäten; vorsichtiger fällt er für Viehwirtschaft und die gesamtwirtschaftliche Investitionsdynamik aus.
Für Standort- und Investitionsentscheidungen sind deshalb drei Ebenen zu trennen:
- Makroökonomie: 5,0 % prognostiziertes Wachstum und 3,0 % erwartete Inflation.
- Branche: deutlich unterschiedliche Aussichten zwischen Energie, Handel, Industrie, Bau und Viehwirtschaft.
- Einzelprojekt: Finanzierung, Nachfrage, Genehmigungen, Lieferketten und tatsächlicher Umsetzungsstand.
Die Aufwärtskorrektur verbessert das Gesamtbild Paraguays. Gleichzeitig mahnt die auf 1,3 % reduzierte Prognose für Bruttoanlageinvestitionen dazu, angekündigte Großprojekte nicht automatisch mit bereits realisiertem Kapital gleichzusetzen.
Quellen
- Banco Central del Paraguay – IPoM September 2026: Kernergebnisse und Downloads
- Banco Central del Paraguay – vollständiger geldpolitischer Bericht September 2026 (PDF)
- ABC Color – Branchen und Nachfragekomponenten der neuen BCP-Prognose
Aktualisiert am 17. Oktober 2026 · Quellenlage: offizielle BCP-Prognose; die Werte für Wachstum, Inflation und Nachfragekomponenten sind Erwartungen für 2026, keine bereits realisierten Jahresergebnisse.

