HIVE: 300 MW Rechenzentren in Betrieb, Ausbau auf 400 MW läuft
HIVE betreibt in Yguazú und Valenzuela 300 MW Rechenzentrumskapazität und baut weitere 100 MW. Die oft genannten mehr als 400 Mio. USD umfassen jedoch auch Steuern, Stromzahlungen und ANDE-Sicherheiten – nicht nur Anlageinvestitionen.
Was ist passiert?
Der kanadische Rechenzentrumsbetreiber HIVE Digital Technologies hat seine paraguayische Infrastruktur auf 300 Megawatt betriebsbereite Leistung ausgebaut. Nach dem FY2026-Bericht des börsennotierten Unternehmens entfallen davon 200 MW auf zwei Ausbaustufen in Yguazú im Departamento Alto Paraná und 100 MW auf den Standort Valenzuela im Departamento Cordillera.
Die drei Stufen wurden zwischen Juni und November 2025 fertiggestellt. Zusätzlich entwickelt HIVE in Yguazú weitere 100 MW. Unternehmensunterlagen weisen dieses Vorhaben als im Bau aus; wesentliche Infrastrukturkomponenten seien bestellt. Nach vollständiger Inbetriebnahme würde die paraguayische Kapazität auf 400 MW steigen.
Das ist mehr als eine unverbindliche Standortprüfung: 300 MW sind nach Unternehmensangaben bereits in Betrieb, der zusätzliche 100-MW-Block befindet sich in Umsetzung. Ein verbindliches aktuelles Fertigstellungsdatum nennt der im Oktober ausgewertete Unternehmensbericht jedoch nicht.
Was bedeuten die genannten 400 Mio. USD?
Forbes Paraguay berichtete am 6. Oktober 2026 nach einem Gespräch mit HIVE-Landeschef Gabriel Lamas über einen bisherigen Beitrag von mehr als 400 Mio. USD in Paraguay. Diese Zahl darf nicht als reiner Kaufpreis oder vollständig realisierte Sachinvestition gelesen werden.
Nach der dort veröffentlichten Aufschlüsselung umfasst sie unter anderem:
- rund 130 Mio. USD für Bauleistungen,
- 35 Mio. USD als Sicherheiten beziehungsweise Garantiedepots bei der ANDE,
- mehr als 55 Mio. USD gezahlte Steuern,
- voraussichtlich rund 140 Mio. USD Stromkosten im laufenden Jahr,
- etwa 3,5 Mio. USD jährliche Lohnkosten,
- außerdem Ausrüstung und weitere betriebliche Aufwendungen.
Damit werden Kapitalinvestitionen, hinterlegte Sicherheiten, Steuern und laufende Betriebsausgaben in einer Gesamtgröße zusammengeführt. Für die wirtschaftliche Wirkung Paraguays ist das durchaus relevant. Für einen Vergleich mit anderen Investitionsprojekten wäre es aber falsch, die gesamten 400 Mio. USD als bereits investiertes Anlagekapital oder als neues FDI-Volumen auszuweisen.
Die veröffentlichten Finanzunterlagen von HIVE bestätigen einzelne Bestandteile: Der Erwerb des 200-MW-Standorts Yguazú wurde mit 56 Mio. USD bewertet; zusätzlich übernahm HIVE 19 Mio. USD an Verpflichtungen für Stromlieferungssicherheiten sowie verbleibende Fertigstellungskosten. Eine vollständige, einheitlich abgegrenzte Investitionssumme für alle paraguayischen Anlagen veröffentlicht das Unternehmen dort nicht.
Bitcoin-Mining und künstliche Intelligenz sind zu trennen
Der große Strombedarf in Yguazú und Valenzuela dient derzeit vor allem dem Bitcoin-Mining. Der zusätzliche 100-MW-Ausbau wird in den Unternehmensunterlagen ebenfalls als Erweiterung dieser Rechenleistung beschrieben.
Daneben betreibt HIVE seit März 2026 eine kleinere AI-Cloud-Infrastruktur in einem Tier-III-Rechenzentrum in Asunción. Nach einer Unternehmensmeldung liefen dort bereits GPU-Arbeitslasten eines Forschungsteams der Columbia University. Das ist ein konkreter Einstieg in Hochleistungsrechnen und künstliche Intelligenz, aber kein Beleg dafür, dass die gesamten 300 beziehungsweise künftig 400 MW bereits für KI-Anwendungen genutzt werden.
Welche wirtschaftliche Wirkung ist realistisch?
Für Paraguay entstehen vor allem planbare Stromerlöse in US-Dollar, Bau- und Wartungsaufträge, Steuereinnahmen sowie technische Arbeitsplätze. Die Standorte zeigen außerdem, dass sehr große industrielle Stromabnehmer außerhalb Asuncións tatsächlich umgesetzt werden können.
Gleichzeitig bleibt die volkswirtschaftliche Bewertung anspruchsvoll. Rechenzentren dieser Art verbrauchen viel Energie, beschäftigen nach Abschluss der Bauphase aber typischerweise deutlich weniger Menschen als arbeitsintensive Industrien. Ob der Strom an anderer Stelle einen höheren wirtschaftlichen Mehrwert erzeugen könnte, lässt sich aus den Unternehmensangaben nicht beantworten.
HIVE erklärt, seine Verträge mit der ANDE erlaubten eine Abschaltung in Zeiten hoher Netznachfrage und die Anlagen seien über eigene Hochspannungsinfrastruktur angeschlossen. Unabhängige Daten dazu, wie häufig diese Abschaltungen erfolgen und welche Netzinvestitionen langfristig notwendig werden, sind in den ausgewerteten Quellen nicht veröffentlicht.
Was ist für Unternehmer und Investoren relevant?
Die HIVE-Entwicklung belegt, dass Paraguay nicht nur über günstige Energie spricht, sondern bereits internationale Rechenzentrumsprojekte im industriellen Maßstab beherbergt. Chancen entstehen insbesondere für Hochspannungsbau, Kühlung, Sicherheit, Wartung, Telekommunikation und spezialisierte technische Dienstleistungen.
Für Immobilien- und Standortentscheidungen ist trotzdem Vorsicht geboten. Ein Großverbraucher kann Infrastruktur und lokale Nachfrage stärken, führt aber nicht automatisch zu einem breiten Technologiecluster oder stark steigender Wohnraumnachfrage. Entscheidend sind die Zahl dauerhafter Arbeitsplätze, lokale Vergaben und weitere Unternehmensansiedlungen.
Was bleibt offen?
Nicht veröffentlicht sind eine einheitlich abgegrenzte Gesamtsumme des Anlagekapitals in Paraguay, der aktuelle Fertigstellungstermin und das Budget des zusätzlichen 100-MW-Blocks sowie eine belastbare Zahl dauerhafter paraguayischer Arbeitsplätze. Auch die Aufteilung der mehr als 400 Mio. USD auf bereits gezahlte, gebundene und künftig erwartete Beträge ist nicht vollständig dokumentiert.
Quellen
- HIVE Digital Technologies – FY2026-Ergebnisse mit 300 MW fertiggestellter Kapazität in Paraguay
- HIVE Digital Technologies – Unternehmensbericht mit Ausbau- und Projektstatus
- HIVE Digital Technologies – operative AI-Cloud in Asunción
- Forbes Paraguay – HIVE zwischen Bitcoin, Energie und künstlicher Intelligenz
Aktualisiert am 8. Oktober 2026 · Quellenlage: Betrieb und Ausbau durch Unternehmensberichte bestätigt; die 400-Mio.-USD-Angabe mischt Investitionen und laufende wirtschaftliche Beiträge.

