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Paraguays Defizit erreicht bis September 2,0 % des BIP

Das Defizit der Zentralverwaltung steigt bis September auf 2,0 % des BIP. Zugleich fließen mehr Mittel in öffentliche Investitionen und alte Verbindlichkeiten.

Aktualisiert am 19. Oktober 2026Offiziell bestätigt

Was zeigen die neuen Haushaltsdaten?

Paraguays Zentralverwaltung hat von Januar bis September 2026 ein kumuliertes Haushaltsdefizit von 2,0 % des Bruttoinlandsprodukts verzeichnet. Das Ministerio de Economía y Finanzas (MEF) beziffert die Lücke im am 19. Oktober veröffentlichten SITUFIN-Bericht auf rund 7,82 Billionen Guaraní beziehungsweise 1,258 Milliarden US-Dollar.

Einen Monat zuvor hatte das kumulierte Defizit 1,7 % des BIP betragen. Die Veränderung ist nicht mit dem Ergebnis eines einzelnen Monats gleichzusetzen: Beide Werte erfassen jeweils den Zeitraum seit Jahresbeginn. Für die letzten zwölf Monate meldet das MEF ein Defizit von 3,0 % des BIP. Davon wiederum zu unterscheiden ist die weiterhin geltende Prognose von 3,2 % des BIP für das Gesamtjahr 2026. Diese 3,2 % sind noch kein feststehendes Jahresergebnis.

Für Unternehmer und Investoren ist die Zusammensetzung wichtiger als die Defizitquote allein. Die Einnahmen wachsen nur moderat, während der Staat mehr für prioritäre Bereiche ausgibt und zugleich frühere Verpflichtungen gegenüber Lieferanten und Bauunternehmen regularisiert.

Einnahmen wachsen langsamer als die Ausgaben

Die Gesamteinnahmen der Zentralverwaltung lagen in den ersten neun Monaten um 1,6 % über dem Vorjahreszeitraum. Die Steuereinnahmen stiegen um 2,4 %, getragen vor allem von inländischen Abgaben. Einnahmen aus außenhandelsbezogenen Steuern blieben dagegen unter Druck.

Das MEF nennt dafür insbesondere die Aufwertung des Guaraní gegenüber dem US-Dollar. Werden Importwerte in die Landeswährung umgerechnet, fällt die steuerliche Bemessungsgrundlage niedriger aus. Ein stärkerer Guaraní kann Importe für Unternehmen verbilligen, verringert in dieser Konstellation aber zugleich den nominalen Zufluss bestimmter Staatseinnahmen.

Die nichtsteuerlichen Einnahmen sanken um 1,3 %. Besonders deutlich war der Rückgang bei den binationalen Kraftwerken mit 17,3 %. Einnahmen aus Itaipú-Lizenzgebühren und Kompensationen lagen 25,9 % niedriger. Nach Angaben des MEF wirkten hier sowohl der Wechselkurs als auch ein höherer inländischer Stromverbrauch. Einnahmen aus Yacyretá stiegen dagegen um 66,7 % und glichen einen Teil des Rückgangs aus.

Auf der Ausgabenseite meldet das Ministerium ein Plus von 11,2 %. Überdurchschnittlich nahmen die Ausgaben für Gesundheit, Sicherheit, Sozialprogramme und Bildung zu. Der Primärsaldo, der Zinszahlungen ausklammert, lag auf Zwölfmonatssicht bei minus 1,3 % des BIP.

Öffentliche Investitionen: mehr Ausführung, aber auch Altschulden

Die ausgewiesene öffentliche Investition erreichte bis September rund 5,0 Billionen Guaraní beziehungsweise 807,3 Millionen US-Dollar. Das entspricht 1,3 % des BIP und einem nominalen Zuwachs von 17,1 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Beim Ministerio de Obras Públicas y Comunicaciones (MOPC) stieg die kumulierte Investitionsausführung um 39,4 % auf etwa 3,36 Billionen Guaraní. Diese Zahl darf jedoch nicht vollständig als Volumen neuer Projekte interpretiert werden. Das MEF erklärt ausdrücklich, dass der Anstieg auch mit der Begleichung ausstehender Verpflichtungen gegenüber Bauunternehmen zusammenhängt. Ein höherer Kassenabfluss verbessert die Liquidität betroffener Auftragnehmer, belegt aber weder neue Vergaben noch zusätzliche Bauvorhaben in gleicher Höhe.

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich im Gesundheitsbereich. Im September begann der Staat mit der ersten Rate eines Modells zur Abtretung von Forderungsrechten. Darüber sollen offene Verbindlichkeiten gegenüber Pharmalieferanten von insgesamt 2,388 Billionen Guaraní in 36 Monatsraten bedient werden. Die erste Zahlung betrug 66,3 Milliarden Guaraní. Auch hier handelt es sich um die planmäßige Abtragung bestehender Verpflichtungen, nicht um eine neu beschlossene Investition.

Was bedeutet der neue Stand für Investoren?

Die Daten senden ein gemischtes Signal. Positiv ist, dass der Staat alte Forderungen systematischer bedient und die öffentliche Investitionsausführung erhöht. Für Bauunternehmen, Lieferanten und finanzierende Banken kann eine verlässlichere Zahlungsfolge Risiken verringern und Liquidität freisetzen.

Gleichzeitig bleibt der finanzpolitische Spielraum enger. Die Ausgaben wachsen deutlich schneller als die Einnahmen; Wechselkursbewegungen und geringere Zuflüsse aus Itaipú belasten die Einnahmeseite. Das kann die Fähigkeit begrenzen, neben der Bereinigung alter Verpflichtungen zusätzliche Projekte zu finanzieren.

Für ausländische Investoren ändert der SITUFIN-Bericht weder Steuersätze noch Förderregeln. Er ist vielmehr ein Indikator für das makroökonomische Umfeld, die Finanzierung des Staates und die Verlässlichkeit öffentlicher Auftraggeber. Besonders relevant ist er für Unternehmen, deren Geschäftsmodell von Infrastrukturprojekten, staatlichen Beschaffungen oder Zahlungen der Zentralverwaltung abhängt.

Welche Punkte bleiben offen?

Das MEF hält für Ende 2026 an einer Defizitprognose von 3,2 % des BIP fest. Der von der Regierung angekündigte neue Konvergenzpfad sieht für 2027 zunächst 3,9 % und erst 2028 wieder die gesetzliche Obergrenze von 1,5 % vor. Die höheren Werte sollen insbesondere die geordnete Begleichung offener Verpflichtungen ermöglichen.

Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt von der tatsächlichen Einnahmenentwicklung, dem Wechselkurs, dem Ausgabentempo und der weiteren Umsetzung der Zahlungspläne ab. Auch die für September gemeldeten Investitionsausgaben erlauben keine Aussage darüber, welche einzelnen Projekte neu begonnen wurden oder wie viel davon auf laufende Arbeiten und Altforderungen entfällt.

Für Standortentscheidungen ist daher zwischen drei Größen zu unterscheiden: dem kumulierten Defizit seit Jahresbeginn von 2,0 %, dem Zwölfmonatswert von 3,0 % und der Jahresprognose von 3,2 %. Erst die kommenden Monatsberichte zeigen, wie nahe das tatsächliche Ergebnis an der Prognose liegt.

Quellen


Stand: 19. Oktober 2026 · Quellenlage: offizielle Angaben des MEF. Die Jahreswerte für 2026 bis 2028 sind Plan- beziehungsweise Prognosewerte und keine bereits realisierten Ergebnisse.

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