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Paraguay Talk
Banking & GeldPraxis-Update

BCP eröffnet Abwicklungsverfahren gegen ueno bank

Das BCP hat das gesetzliche Abwicklungsverfahren für ueno bank eröffnet. Einlagen sind bis ₲228,3 Mio. pro Person und Institut geschützt; der konkrete Auszahlungsweg folgt noch.

Aktualisiert am 3. November 2026· Wirksam ab 2. November 2026Offiziell bestätigt

Was ist passiert?

Der Verwaltungsrat des Banco Central del Paraguay (BCP) hat mit Beschluss vom 2. November 2026 das gesetzliche Abwicklungsverfahren für ueno bank eröffnet. Auslöser war nach Angaben der Aufsicht eine Solvenzquote von weniger als 50 Prozent des vorgeschriebenen Mindestwerts. Diese Schwelle ist in Artikel 13 des paraguayischen Einlagensicherungs- und Bankenabwicklungsgesetzes Nr. 2334/2003 als Abwicklungsgrund festgelegt.

Es handelt sich damit nicht mehr um die zuvor angekündigte Kapitalstärkung oder eine unverbindliche Prüfung. ueno bank befindet sich in einem besonderen aufsichtsrechtlichen Verfahren. Das BCP setzt Interventoren ein, die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten feststellen, die Aktiva sichern und die Abwicklung durchführen sollen. Nach der gesetzlichen Regelung sind passive Bankgeschäfte während des Verfahrens ausgesetzt. Bei der Pressekonferenz am 3. November erklärte das BCP zudem, dass App, Karten und sonstige Dienste der Bank vorerst nicht aktiv sind.

Was gilt für Einlagen?

Der paraguayische Einlagensicherungsfonds FGD schützt Einlagen bis zu 75 monatlichen Mindestlöhnen. Zum Stichtag entspricht das ₲228.300.000 pro natürlicher oder juristischer Person und pro Finanzinstitut. Der Höchstbetrag gilt für die Summe der gedeckten Einlagen bei ueno bank, nicht für jedes Konto einzeln.

Die gesetzliche Garantie erfasst grundsätzlich verschiedene Einlageformen sowie Einlagen von Ansässigen und Nichtansässigen und auch Einlagen in Fremdwährung. Ob und in welcher Höhe ein konkretes Guthaben gedeckt ist, hängt dennoch von den gesetzlichen Bedingungen ab. Vor einer Auszahlung können Einlagen mit Schulden derselben Person gegenüber der Bank verrechnet werden. Bei Gemeinschaftskonten wird der Saldo den Kontoinhabern zugerechnet. Für bestimmte banknahe Personen, etwa Leitungsorgane und gesetzlich verbundene Personen, bestehen Ausschlüsse.

Das Gesetz sieht vor, die Garantie grundsätzlich innerhalb von 15 Kalendertagen nach dem Abwicklungsbeschluss zu erfüllen; das BCP kann diese Frist mit begründetem Beschluss einmal um weitere 15 Tage verlängern. Ein konkreter Auszahlungsweg war am Abend des 3. November noch nicht veröffentlicht. Das BCP kündigte an, diesen kurzfristig über seine offiziellen Kanäle bekanntzugeben.

Was passiert mit höheren Guthaben?

Guthaben oberhalb von ₲228,3 Mio. sind nicht in voller Höhe garantiert. Das bedeutet nicht automatisch einen vollständigen Verlust. Die Bankenaufsicht erstellt eine Abgrenzung von Aktiva und Passiva und prüft gesetzliche Übertragungs- und Verrechnungsmechanismen. Ziel ist laut BCP, auch für nicht gedeckte Beträge eine möglichst hohe Rückgewinnung zu erreichen.

Wie viel oberhalb der Garantie tatsächlich gesichert, auf ein anderes Institut übertragen oder später aus der Abwicklung bedient werden kann, steht noch nicht fest. Eine volle Erstattung höherer Beträge darf deshalb derzeit ebenso wenig zugesagt werden wie ein endgültiger Ausfall.

Was sollten Kunden und Unternehmen jetzt tun?

  • Nur offizielle BCP-Mitteilungen verwenden: Noch gibt es kein allgemein veröffentlichtes Formular oder verbindliches Auszahlungsverfahren. Unaufgeforderte Nachrichten mit Links, Passwort- oder TAN-Abfragen sind kein belastbarer Weg zur Erstattung.
  • Unterlagen sichern: Kontoauszüge, Festgeldbestätigungen, Kreditverträge und Nachweise zur Kontoinhaberschaft sollten vollständig dokumentiert werden. Das ist besonders wichtig bei Gemeinschaftskonten, Firmenkonten und mehreren Produkten.
  • Guthaben und Kredite gemeinsam prüfen: Wegen der möglichen gesetzlichen Verrechnung sollten Unternehmen und Privatkunden nicht nur den Kontostand, sondern auch offene Verbindlichkeiten bei ueno erfassen.
  • Liquidität neu planen: Unternehmen, die Zahlungsverkehr, Gehälter oder Einzüge über ueno abwickeln, benötigen kurzfristig eine funktionsfähige Alternative. Die Einlagengarantie ersetzt nicht automatisch die sofortige Verfügbarkeit im laufenden Geschäft.
  • Keine Auszahlung vorwegnehmen: Die garantierte Höhe ist gesetzlich bestimmt; Zeitpunkt und technische Abwicklung hängen jedoch von den noch ausstehenden Anweisungen des BCP ab.

Für Rentnerinnen und Rentner, die ihre IPS-Leistung über ueno erhalten, kündigte das BCP Zahlungen zu den üblichen Terminen an. Das IPS erklärte ergänzend, die betroffenen Auszahlungen auf andere Banken umzustellen und die Begünstigten zu informieren. Nach dieser Mitteilung müssen Rentenbezieher den Wechsel nicht selbst beantragen.

Warum hat die Aufsicht eingegriffen?

Das BCP führt die Entscheidung auf mehrere Monate Aufsichtsarbeit zurück. Nach seiner Darstellung wurden Kredite an Unternehmen festgestellt, die dem kontrollierenden Unternehmensverbund zugerechnet wurden. Die Bank sei bereits am 5. Juni aufgefordert worden, diese Geschäfte an gesetzliche Grenzen anzupassen. Weitere Prüfungen hätten zu zusätzlichen Wertberichtigungen geführt, unter anderem wegen Schwächen in Kreditakten und nicht ausreichend belegter Aktivierungen von IT-Leistungen. Die daraus folgenden Anpassungen der Abschlüsse drückten die Solvenzquote unter die gesetzliche Abwicklungsschwelle.

Diese Punkte sind Feststellungen des BCP. Mögliche persönliche oder strafrechtliche Verantwortlichkeiten sind damit nicht abschließend geklärt. Das BCP kündigte weitere Untersuchungen, mögliche Sanktionen und gegebenenfalls Mitteilungen an andere Behörden an.

Einordnung für deutschsprachige Kontoinhaber

Für Kontoinhaber ist die zentrale Trennung jetzt: Bis ₲228,3 Mio. besteht eine gesetzliche Garantie, aber noch kein veröffentlichter individueller Auszahlungstermin. Darüber hinaus besteht lediglich das Ziel einer möglichst hohen Rückgewinnung. Die am 30. Oktober angekündigte Kapitalisierung von ueno ist durch das eröffnete Abwicklungsverfahren überholt; sie darf nicht als vollzogene Stabilisierung behandelt werden.

Für die Bewertung anderer paraguayischer Banken ist der Fall kein Beleg für eine allgemeine Zahlungsunfähigkeit des Systems. Das BCP bezeichnet ihn ausdrücklich als institutsspezifisch. Praktisch zeigt der Vorgang dennoch, warum größere betriebliche und private Liquiditätsbestände auf Deckungsgrenzen, Kontoinhaberschaft und Ausweichkonten geprüft werden sollten.

Was ist noch offen?

Offen sind der konkrete Registrierungs- und Auszahlungsweg, die genaue Behandlung einzelner Einlagearten, der Übertragungsmechanismus für nicht gedeckte Guthaben und die operative Lösung für laufende Zahlungen. Auch die endgültige Vermögenslage der Bank wird erst durch die Interventoren festgestellt. Bis diese Punkte amtlich veröffentlicht sind, sollten Medienangaben zu Rückzahlungsquoten oder Terminen nicht als verbindlich gelten.

Quellen


Aktualisiert am 3. November 2026 · Quellenlage: Verfahren und Garantie amtlich bestätigt; Auszahlungsweg und Behandlung nicht gedeckter Guthaben noch offen

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