Paraguays Außenhandel: 712 Mio. USD Überschuss
Paraguays Außenhandel drehte bis September 2026 ins Plus: Exporte stiegen um 25,7 %, Importe um 15,0 %. Der Überschuss erreichte 712 Mio. USD.
Was ist passiert?
Paraguays Außenhandel hat in den ersten neun Monaten 2026 wieder einen positiven Saldo erreicht. Nach dem am 13. Oktober veröffentlichten Bericht der Zentralbank BCP standen Exporten von 15,973 Milliarden US-Dollar Importe von 15,261 Milliarden US-Dollar gegenüber. Der Überschuss betrug damit 712 Millionen US-Dollar.
Im Vergleichszeitraum 2025 hatte die Statistik noch ein Defizit von 555,5 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Der Wechsel erklärt sich daraus, dass die Exporte mit 25,7 Prozent deutlich stärker wuchsen als die Importe mit 15,0 Prozent. Insgesamt erreichte das erfasste Handelsvolumen 31,233 Milliarden US-Dollar.
Die Zahlen sind kumulierte nominale US-Dollar-Werte für Januar bis September. Sie sind weder eine Prognose für das Gesamtjahr noch mit Unternehmensgewinnen, Steuereinnahmen oder bereits investiertem Kapital gleichzusetzen.
Was treibt das Exportwachstum?
Von den Gesamtexporten entfielen 10,223 Milliarden US-Dollar auf regulär registrierte Ausfuhren. Dieser Teil legte um 19,7 Prozent zu. Reexporte erreichten 3,989 Milliarden US-Dollar und wuchsen um 18,7 Prozent. Weitere, in der Zahlungsbilanz erfasste Exporte beliefen sich auf 1,760 Milliarden US-Dollar.
Bei den registrierten Ausfuhren waren drei Gruppen entscheidend:
- Primärprodukte: 3,894 Milliarden US-Dollar, plus 32,6 Prozent,
- landwirtschaftlich basierte Industriewaren: 3,675 Milliarden US-Dollar, plus 8,3 Prozent,
- industrielle Erzeugnisse: 1,750 Milliarden US-Dollar, plus 34,3 Prozent.
Die Sojabohne blieb der wichtigste Einzelposten. Ihr Exportwert stieg um 45,1 Prozent auf 3,107 Milliarden US-Dollar; das Volumen nahm um 35,9 Prozent auf 7,924 Millionen Tonnen zu. Auch Sojaöl und Sojamehl trugen zum Wachstum bei. Bei den industriellen Erzeugnissen nennt der BCP unter anderem Kupferschrott, Kabel und elektrische Leiter, Pflanzenschutzmittel sowie Aluminiumwaren.
Nicht alle Branchen entwickelten sich positiv. Der Exportwert von Rindfleisch sank um 5,5 Prozent auf 1,478 Milliarden US-Dollar, während das Volumen um 22,7 Prozent zurückging. Der durchschnittliche Erlös je Tonne stieg zugleich deutlich. Die Stromexporte lagen mit 904,5 Millionen US-Dollar um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Welche Rolle spielen Maquila und Reexporte?
Die Ausfuhren im Maquila-Regime erreichten bis September 1,149 Milliarden US-Dollar und lagen 29,0 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark wuchsen laut BCP neue Produktgruppen; Ethanol, Kabel beziehungsweise Autoteile und Textilien gehörten zu den wichtigsten Treibern. Brasilien nahm 59,6 Prozent der Maquila-Ausfuhren ab, Argentinien 14,4 Prozent und die Niederlande 10,3 Prozent.
Damit setzt sich der bereits bis August sichtbare Aufwärtstrend der Maquila-Exporte fort. Zugleich bleibt die Abhängigkeit von wenigen Absatzmärkten hoch.
Reexporte machten ein Viertel der gesamten Ausfuhren aus. Ihr Wachstum ist wirtschaftlich relevant für Handel und Logistik, darf aber nicht wie eine vollständig in Paraguay erzeugte Warenproduktion interpretiert werden.
Wie sind die Importzahlen einzuordnen?
Die Importe stiegen auf 15,261 Milliarden US-Dollar. Allein im September lagen sie mit 1,952 Milliarden US-Dollar um 23,5 Prozent über dem Vorjahresmonat. Zu den wichtigen Treibern gehörten Kraftstoffe, Fahrzeuge sowie elektrische Maschinen und Teile.
Der Anstieg zeigt, dass der Überschuss nicht durch einen allgemeinen Einbruch der Einfuhren entstand. Er kann teilweise auf robuste Nachfrage, Handelsaktivität und Beschaffung von Ausrüstung hindeuten. Aus den aggregierten Zahlen lässt sich jedoch nicht ableiten, welcher Anteil tatsächlich neuen produktiven Investitionen dient. Ein Teil der eingeführten Waren ist für das Tourismus- beziehungsweise Reexportregime bestimmt.
Warum ist methodische Vorsicht nötig?
Die Kategorie „weitere Exporte“ wuchs um 117,5 Prozent. Der BCP weist ausdrücklich darauf hin, dass er seit dem Bericht für Juni 2026 die statistische Abdeckung verbessert und die Reihe rückwirkend ab Januar 2025 überarbeitet hat. Der Vorjahresvergleich verwendet damit zwar eine revidierte Basis, der ungewöhnlich hohe Zuwachs dieser Kategorie sollte aber nicht ohne diesen Hinweis als rein realwirtschaftlicher Sprung gelesen werden.
Auch Wechselkurse und internationale Preise beeinflussen nominale US-Dollar-Werte. Bei Soja stieg neben dem Volumen auch der Wert je Tonne; bei Rindfleisch kompensierten höhere Preise einen Teil des Mengenrückgangs. Der Handelsüberschuss allein beweist daher weder eine breite Verbesserung aller Exportbranchen noch eine gleichmäßige regionale Wirkung.
Was bedeutet das für Unternehmer und Investoren?
Für exportorientierte Unternehmen ist die Kombination aus höherem Agrarvolumen, kräftigerem Industrieexport und wachsender Maquila ein positives Signal. Chancen entstehen insbesondere in Verarbeitung, Verpackung, Logistik, Kühlketten, technischen Komponenten und grenzüberschreitenden Dienstleistungen.
Gleichzeitig bleiben Konzentrationsrisiken: Soja hängt stark vom argentinischen Markt ab, Maquila überwiegend von Brasilien und der gesamte Außenhandel von Preis- und Nachfragebewegungen in wenigen großen Produktgruppen. Für eine Investitionsentscheidung sind deshalb Branchenmargen, konkrete Abnehmer, Wechselkursrisiko, Infrastruktur und regionale Arbeitskräfte wichtiger als der landesweite Überschuss allein.
Quellen
- Banco Central del Paraguay – Außenhandelsbericht September 2026
- Banco Central del Paraguay – vollständiger Bericht mit Produkt-, Markt- und Methodenangaben (PDF)
- InfoNegocios Paraguay – journalistische Einordnung des Handelsüberschusses
Aktualisiert am 14. Oktober 2026 · Quellenlage: offiziell bestätigt; nominale Außenhandelswerte, keine Gewinn- oder Investitionsrechnung.

